Kurze Haare bei Frauen – unweiblich oder nicht?

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Loading... Gerade habe ich mal wieder hier einen albernen Artikel auf Spiegel-Online gefunden, den ich nicht ganz unkommentiert stehen lassen kann. Es geht um Frauen mit kurzen Haaren. Offiziell wird da versucht, zu erklären, was kurze Haare in unserer Gesellschaft zu bedeuten haben – nämlich angeblich nichts als eine persönliche Auswahl eines Haarschnitts. In Wirklichkeit versucht die Autorin ihre Kurzhaarfrisur zu rechtfertigen, obwohl damit sie sehr oft auf Ablehnung trifft. Was ist da los? Und was bedeuten kurze Haare denn wirklich in Sachen Männer und Frauen?

Fangen wir mal mit dem Offensichtlichen an: Kurze Haare sind bei Frauen kein Problem. Frauen haben das Recht ihre Haare so zu tragen wie sie wollen. Kurze Haare sehen manchmal richtig gut aus und machen eine Frau nicht notwendigerweise unweiblicher, unattraktiver, lesbisch oder sonstwas. Aber:

Wie ich schon mehrfach beschrieben habe, sind Haare ein Attraktivitätsmerkmal bei Frauen. Sie sind Indikator für Gesundheit beim Menschen. Kürzt sich eine Frau also die Haare, dann nimmt sie sich die Möglichkeit, Attraktivität zu signalisieren, ganz enorm. Im Idealfall macht dies aber nichts, denn schließlich sind schöne Haare nicht das einzige Attraktivitätsmerkmal bei Frauen. Stellen Sie sich einfach eine Frau vor, die auf allen Ebenen der (physischen) Attraktivität punktet: Sie ist fit und gesund, hat einen symmetrischen Körper und Gesicht, hat glatte, fehlerfreie Haut, die richtige Körperhaltung, kein Übergewicht usw. und sie unterstreicht all dies mit perfekter Kleidung, Styling und genau richtig viel Makeup. Hier ist es völlig egal, wie lang die Haare sind. So eine Frau könnte sogar eine Mülltüte auf dem Kopf tragen und wäre noch für die meisten Menschen attraktiv.

Dann stellen wir uns Sabine vor. Sabine hat ein bisschen Übergewicht, lässt aus Gewohnheit und Mangel an Sport die Schultern hängen, benutzt kein Makeup und kleidet sich gerne praktisch und billig. Wenn wir uns jetzt überlegen, welche Haarlänge (und da nehmen wir mal an, dass Sabine sich die Haare täglich wäscht) Sabine wählen sollte, um attraktiver zu wirken, dann ist die Antwort ganz klar: Lange Haare.

Natürlich bleibt es Sabine selbst überlassen, ob sie nun attraktiv wirken will oder nicht. Und damit hat auch die Autorin des Artikels völlig Recht: Eigentlich (!) sollte (!) das ja kein Problem sein – schließlich leben wir ja in einer modernen Gesellschaft, in der diese Dinge nicht mehr wichtig sind, nicht wahr? Falsch! Denn hier treffen wir wieder auf das alte Problem mit „eigentlich“ und „sollte“: Die Realität IST einfach anders. Stellen wir uns mal Peter vor, der immer mit einer halben Melone auf dem Kopf herumläuft, die er sich mit einem Damenstrumpf dort festgemacht hat. Er DARF das natürlich tun. Es gibt keine Gesetze dagegen. Damit belästigt er niemanden (weil die Melone in unserem Fall weder tropft noch stinkt) oder macht irgendwelchen Ärger damit. Eigentlich (!) sollte (!) die Melone ja kein Problem sein. Ist sie aber, denn sie verstößt gegen eine ganze Reihe von Regeln in unserer Gesellschaft, die sich darum drehen was wir auf unserem Kopf tragen dürfen und wie das auszusehen hat. Peters Eltern, Freunde und Bekannte werden sich um ihn Sorgen machen und versuchen ihn dazu zu bewegen, die Melone nicht mehr auf dem Kopf zu tragen – lieber in einer Plastiktüte oder noch besser: gar nicht. In seiner Firma tuschelt man schon länger über ihn und es gab sogar schon ein Meeting, in dem man sich überlegte, wie man dieses „Problem“ angehen sollte. Kinder lachen Peter überall aus. Stellen wir uns mal zusätzlich vor, es wäre bekannt, dass Menschen mit Melonen auf dem Kopf vor allem in der Schwulenszene schon seit Jahren beliebt sind, weil sich das irgendwie als Zeichen für Schwulsein, bzw. Identität dieser Gruppe usw. herausgebildet hat.

Wenn Peter jetzt einen Artikel bei Spiegel-Online darüber schreibt, dass es doch total komisch ist, wenn man heutzutage, wo die Menschheit ja (eigentlich!) so offen und tolerant ist, noch für eine Melone auf dem Kopf schief angesehen wird, Leute über einen lachen und komische Kommentare abgeben, und er mindestens zweimal am Tag von Männern angebaggert wird, dann denkt sich niemand: „Das stimmt aber! Den dürfen wir auf keinen Fall für seine Melone kritisieren! Melon Power!!!!“

Das gleiche gilt für Haare (oder andere optische Signale, die wir an unsere Umwelt senden): Wir sind Teil einer Gesellschaft. Dort zeigen wir durch unsere Kleidung und unser Verhalten, dass wir dazu gehören oder eben nicht. Wenn wir aus Faulheit, Freiheitsstreben, Kreativität usw. darauf verzichten, uns der Gesellschaft anzupassen, dann wird die Gesellschaft darauf reagieren: Meistens eben mit Ausgrenzung, Lachen, Ablehnung usw. Die meisten Dinge wie Kleidung, Frisur, Stil usw. dienen zu mehr als nur dem reinen Zweck. Sie geben Auskunft über uns. Wir nutzen sie (bewusst und unbewusst) zur Kommunikation. Daher ist eine kurze Frauenfrisur einfach viel mehr als nur eine praktische Angelegenheit. Unsere Autorin hat ja gelernt, was genau kurze Haare für die Gesellschaft bedeuten: „Könnte lesbisch sein“, „ist weniger attraktiv“, „gibt sich keine Mühe mit dem Aussehen“, „ist faul“, „ist unweiblich“, „sieht frech aus“ usw.

Daher ist das Resümee der Autorin eben auch völlig falsch: „Wenn kurze Haare überhaupt für irgendetwas stehen, dann für die Entscheidung eines Individuums, sein Äußeres nach dem eigenen Willen zu gestalten.“ Richtig wäre das, wenn „das Individuum“ wirklich so frei ist, wie die Autorin das gerne hätte. Ist es aber nicht.

Hier also mein Vorschlag für einen sachlich richtigen, zu dem Artikel passenden, Schlusssatz: „Ich habe leider nicht die Zeit und Lust gehabt, Recherchen über Gesellschaft, Kultur und die Wirkung von Kleidung und Aussehen auf andere Menschen anzustellen. Daher berichte ich mal von meinen eigenen Erfahrungen: Weil ich mir heute früh die Haare gewaschen habe, musste ich mich ein bisschen ärgern, weil mich keiner wirklich attraktiv findet – nur die Lesbe von nebenan. Ich habe aber keine Lust, meine Haare lang zu tragen – das macht doch nur Arbeit und ich mache das schon immer so. Daher bleibe ich weiter bei meinem Haarschnitt, obwohl ich seitdem ich dreizehn bin, konstant von der Gesellschaft darauf hingewiesen wurde, dass dies keine sonderlich kluge Strategie in Sachen Attraktivität ist. Dabei wäre es doch toll, wenn die Realität anders wäre: Wenn kurze Haare überhaupt für irgendetwas stehen sollten, dann für die Entscheidung eines Individuums, sein Äußeres nach dem eigenen Willen zu gestalten. Shit! Tun sie aber leider nicht.“

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15 Kommentare zu Kurze Haare bei Frauen – unweiblich oder nicht?

  1. Lieber „Roland“,

    man provoziert bestimmte Verhaltensweisen wenn man sich als Frau chic anzieht? Auch Nachts? Dass es bei Ihrer Denkweise Kritik regnen wird, das konnten Sie sich ja schon denken.

    Also, die Antworten von Dr. Konrad, mit denen ich mich fast weggeschmissen hab‘ vor lachen, waren ja noch milde, denn Ihre Macho Einstellung Frauen gegenüber ist ja nicht zu übertreffen. Zu deutsch: Also sollen sich attraktiv gekleidete Frauen nicht wundern, wenn sie vergewaltigt werden? Sollen sie sich denn alle maskulin anziehen um dies zu verhindern? Oder kurze Haare tragen? Ist das der richtige Weg? Hässlich sein um nicht zu gefallen ergo keine sexuellen Übergriffe zu erleiden (wenngleich viele kurzhaarige Frauen doch sehr hüsch sind)? Also sich herabsetzen, sich unterwerfen?

    Die Beispiele, die ich gelesen habe, passen irgendwie nicht ganz zusammen und ein direkter Vergleich zu dem, was im Beitrag erläutert wird, kann nicht gezogen werden, doch viel mehr regt mich eine Sache ganz besonders auf: Einen auf Ahnung machen ohne Schreibfehler doch sachlich nichts rüberbringen, wenn gleich subtil und ganz fein der innerliche Macho rausgelassen wird, bzw. der Besserwisser à la „die sind doch selber Schuld“.

    Sachlich bedeutet, dieses doch sehr komplexe Thema, wenngleich es so einfach (er)scheinen mag, aus einem bestimmten Blickwinkel objektiv anzugehen, ohne von Gefühlen oder Vorurteilen beinflusst zu werden, zum Beispiel aus gesellschaftlicher Sicht. Ganz einfach: Das Aussehen ist eine Visitenkarte. Die Präsentation. Ein Lebenslauf. Eine doch ziemlich repräsentative Darstellung. Denn es bringt vieles zum Vorschein.

    Verständnis für Menschen, denen das Aussehen egal ist kann man haben, doch es wird viel durch das persönliche Exterieur übermittelt. Bezogen auf den Beitrag, signalisiert eine Frau mit kurzen Haaren oft diesen vom Verfasser erwähnten „Wechsel“, „anders sein“, oft sogar Maskulinität, Schlagfertigkeit, und es mag ja gerechtfertigt sein, die Haare so zu tragen, doch man könnte sagen, es ist in bestimmten Fällen ein asoziales Verhalten: Keine Kritik, sondern eine Beobachtung – man stelle sich eine Frau vor, die sich sozial desintegriert da sie eine gewisse Distanz zu Männern herbeiführen möchte, mit denen sie eine gewisse, nicht schöne Vergangenheit durchlief. Oftmals wird das durch den Haarschnitt signalisiert. Allgemein bekannt ist ja, dass nach gescheiterten Beziehungen Frauen gerne Ihre Haare als „Attraktivitätsmermal“ umändern. Die Wirkung vom Aussehen, speziell heutzutage, und zwar nicht nur im Umfeld, wird stark unterschätzt. Feine kulturelle Nuancen, die eine starke Wirkung beherbergen. Wussten Sie, dass manche Flugbegleiterinnen über einem gewissen Gewicht nicht in die nächste Bewerbungsrunde kommen? Wussten Sie, dass Topmodels nicht nur das üblich Bekannte anatomisch vorführen (sollen), sondern perfekt symmetrische Augen und Glieder (u. a.) in ihrem Portfolio an erster Stelle sind? Vielleicht wussten Sie, dass in Japan fettleibige Menschen als weniger effiziente Arbeitsmenschen betrachtet werden, gar als unverantwortungsvolle Menschen, da man das ja an ihren eigenen Körpern anscheinend sehen kann, sodass viele, die sich in dieser Lage befinden, direkt abgewiesen werden, wenn nicht ein bestimmter, gesunder, bioanatomischer Tonus nicht gegeben ist. Doch genauso vermögen Sie bestimmt zu wissen, und wenn nicht, dann lege ich Ihnen ans Herz, mal darüber in der Fachliteratur zu recherchieren, dass diese komplexen Prozesse soziologisch, psychologisch und kulturell tief in den Identitäten verankert sind, so wie es in der modernen Volkskunde auch erläutert wird; es stehen ganze wissenschaftliche Disziplinen dahinter, in denen konstant recherchiert wird welche Ursachen bestimmte menschliche Verhaltensmuster auslösen, bestimmen, wie diese funktionieren und was man daraus lernen kann, und das sind bestimmt keine null-acht-fünfzehn Geschichten, da Kapazitäten in den spezifischstenen Bereichen der vorher erwähnten Disziplinen sich diesen Themenbereichen seit Jahrzehnten widmen. Plump zu sagen, Frauen sind selber Schuld. Wir befinden uns im Jahr 2018 und es ist traurig, dass man noch jetzt indirekt, gut versteckt, und verschachtelt, ja, ganz genau, zwischen den Zeilen, „noch“ dieses Macho Gehabe übermittelt bekommt. Vielleicht ist Ihr Beitrag auf den ersten Blick orthographsch fehlerfrei, doch es ist nicht die Dekoration, was zählt.

  2. Ragnar sagt:

    Kurzhaarfrisuren und Doppelnamen sind neben der Pille die zuverlässigsten mir bekannten Verhütungsmittel. ;-))

  3. Roland sagt:

    Hallo Herr K.,

    Danke für die Antwort. Zunächst noch eine letzte Bemerkung meinerseits zur etwas zugegebenermaßen haarspalterischen Debatte um den Begriff „selber Schuld“ und warum ich mich dennoch um eine Gleichsetzung dessen mit meinen Aussagen wehre: Selbst wenn es inhaltlich auf das Gleiche hinausläuft, ist dennoch die Intention eine vollkommen andere. Meines Wissens nach hat der Begriff „Schuld“ einen biblischen Ursprung, weshalb man damit aus meiner Sicht immer eine wertende Beurteilung (=Verurteilung, hier: negativ) vornimmt. Abgesehen davon denke ich nicht nur aus eigener Erfahrung zu sprechen, wenn ich behaupte, dass die Floskel „selber Schuld“ auch im allgemeinen Sprachgebrauch meistens in einer eher abwertenden, die Naivität oder Dummheit des Betroffenen verschmähenden Weise, gebraucht wird. Mir ging es aber um eine NICHT-wertende Beurteilung bzw. Beschreibung der IST-Situation. „Wenn du A machst, passiert B“, bzw. „wenn du A machst, passiert B mit einer höheren Wahrscheinlichkeit“. Einfache Kausalität. Ohne Bewertung. Genau wie bei dem was passiert, wenn sich Frauen für eine Kurzhaarschnitt entscheiden.

    Zugegeben: Ich hab das eigentliche Thema des Blogbeitrags auf die etwas allgemeinere/verwandtere (oder vielleicht sogar ganz andere?) Ebene „Recht haben und Recht bekommen sind zweierlei Dinge.“ transferiert und vielleicht mit dem etwas drastischen Beispiel zum Zusammenhang zwischen freizügiger Kleidung und sexuellen Übergriffen erschrocken. Aber mir haben es eben besonders Aussagen wie „Dabei wäre es doch toll, wenn die Realität anders wäre:…“ und „Und damit hat auch die Autorin des Artikels völlig Recht: Eigentlich (!) sollte (!) das ja kein Problem sein “ angetan, weil ich jemand bin der sich für holistische Zusammenhänge interessiert. In diesem Sinne war es für MICH ein Beitrag zum eigentlichen Thema, aber es kann gut sein, dass diesmal ICH etwas zu viel hineininterpretiert habe :-)

  4. Tom sagt:

    Ich kann hier nicht ganz zustimmen…..
    Eine Frau mit wunderschönen Augen kann durch sehr kurze Haare sogar noch gewinnen. Wie ich darauf komme?
    Eine hübsche Bekannte von mir hat eine Wette verloren, bekam die lange Mähne zum Stoppelschnitt gestutzt. Die Friseurin hat ihr wohl gezeigt, wie sie ihre Augen durch Make up noch etwas betonen kann – aus einer hübschen Frau wurde ein absoluter Hingucker. Verehrer hat sie nun mehr als mit den langen Haaren – es kommt eben auch darauf an, was Frau aus den kurzen Haaren macht.

    • Dr. Jochen Konrad sagt:

      Lieber Tom,

      das steht doch auch in meinem Artikel: „Kurze Haare sehen manchmal richtig gut aus und machen eine Frau nicht notwendigerweise unweiblicher, unattraktiver, lesbisch oder sonstwas.“ Also widersprechen wir uns da gar nicht. :-)

      Beste Grüße,
      Dr. K

  5. NeinNichtWirklich sagt:

    „Gerade habe ich mal wieder hier einen albernen Artikel auf Spiegel-Online gefunden…“

    Ein wohlgemeinter Rat – meiden Sie diese Seite; denn wenn es um den Themenkomplex „Gender“ geht, sind Spiegel Online und Zeit Online (und wahrscheinlich auch SZ Online etc.) ziemlich fest im feministischen Lager verankert, und hier vor allem in der unseligen 3rd Wave-Version – und das geht quer über alle Angebote auf diesen Seiten (schon mal ze’tt oder bento gelesen?). Ab und an mögen sich zwar Alibiartikel reinmogeln, die dem entgegenstehen und dann auch tatsächlich lesenswert sind, denn im Gegensatz zu den anderen müssen die auch tatsächlich recherchieren und fundierte Argumente anführen, aber das ist die Ausnahme.

    Und das ist auch das Problem von Frau Rietz (der Autorin des Textes): Sie distanziert sich zwar dezent vom Feministinnen, weil sie von diesen nicht auf der Basis ihrer Frisur ideologisch kooptiert werden möchte, aber ihre Einstellung und ihre Argumentation hat sie 1:1 von diesen übernommen.
    Sie verlangt für sich das Recht, sich so zu kleiden und zu stylen wie sie möchte (was legitim ist), beschwert sich dann aber, dass ihre Umwelt sie nicht so wahrnimmt, wie *sie* es gerne hätte. Männer nehmen sie erst als sexuelles Wesen wahr, wenn sie sich die Haare wachsen lässt; und wenn sie es nicht tut, übernehmen Lesben diesen Part. Dass Weiblichkeit und Männlichkeit eben keine persönliche Auslegungssache und Attraktivität eben nicht verhandelbar ist, und dass beides sich eben doch vorrangig durch Abgrenzung voneinander definieren lässt, scheint sie nicht zu verstehen, weil sie es nicht verstehen will. Und dass die Frau sogar von einem Artikel einer radikalen Randgruppenwebsite mit hohem Trollfaktor wie „Return of Kings“ heranziehen muss, spricht Bände – entweder, weil sie extremst leicht zu verunsichern ist, oder weil sie unbedingt Outrage-Material für ihren Artikel suchte und nichts anderes gefunden hat (oder beides).
    Natürlich darf auch die Klage, wie hart es Frauen doch haben, weil sie sich mit solchen optisch motivierten Urteilen rumschlagen müssen, womit impliziert wird, dass es nur Frauen so geht – und den Umstand ignoriert, dass es langhaarigen Männern nicht anders geht. Nur dass diese deswegen keine larmoyanten Blogartikel schreiben – oder, wenn sie es doch tun sollten, dafür von SPON keinen Platz eingeräumt bekommen.

    Im Grunde geht es Frau Rietz wie so vielen Millenials: Auf Kritik an ihrer Person wird mit der Forderung reagiert, dass die Welt sich ändern muss um *ihr* entgegenzukommen, anstatt die Möglichkeit ins Auge zu ziehen, dass *sie* sich ändern könnte (entweder, indem sie sich ein dickeres Fell zulegt, oder indem sie sich klassische Schönheitsnormen anpasst).

    PS: Interessant wäre hier übrigens auch gewesen, ob Frau Rietz gegenüber sich selbst absichtlich unattraktiver machenden und allen Männlichkeitsstandards entziehenden Männern genauso verständnisvoll reagieren würde, wie sie es für sich selbst einfordert.

    • Dr. Jochen Konrad sagt:

      Lieber „NeinNichtWirklich“,

      da stimme ich Ihnen völlig bei!

      Ich denke, es ist wichtig gerade solche „schlechten“ und sachlich falschen Artikel zu kommentieren, weil es ja sonst kaum jemand tut.

      Danke für den ausführlichen und guten Kommentar,

      Ihr Dr. K

      • NeinNichtWirklich sagt:

        „Ich denke, es ist wichtig gerade solche „schlechten“ und sachlich falschen Artikel zu kommentieren, weil es ja sonst kaum jemand tut.“

        Ohne Frage – und wenn es jemand doch tut, dann in der Regel nicht kritisch.
        Leider sieht es aber so aus, dass die meisten der journalistischen Artikel auf diesem Feld von Frauen geschrieben sind (womit dem Leser fast zwangsläufig die weibliche Perspektive als die einzig legitime aufgenötigt wird), sondern davon wiederum die meisten der Dynamik folgen, die in „Sailer’s Law of Female Journalism“ woe folgt beschrieben ist:

        „The most heartfelt articles by female journalists tend to be demands that social values be overturned in order that, Come the Revolution, the journalist herself will be considered hotter-looking.“ ( http://isteve.blogspot.de/2009/07/sailers-law-of-female-journalism.html )

        Und tatsächlich ist das auch die Beobachtung, die ich bei der Lektüre von Artikeln, Blogposts etc. dieser Art immer wieder machen durfte – die immer wiederkehrende Beschwerde, dass die Ideen dessen, was als attraktiv gilt, gegen statt für sie arbeitet; oder alternativ dazu ein Loblied, das Männer informiert, was für einen tollen Fang sie sich durch die Lappen gehen lassen, wenn sie auf ihren eigenen Vorstellungen von Attraktivität beharren.
        Das können (zu) kurze Haare sein, aber auch Übergewicht, ein vorangeschrittenes Alter, der Status als alleinerziehende Mutter, Promiskuität als hervorstechender Charakterzug oder was auch immer einer Frau bei der langfristigen Partnersuche im Weg stehen kann. Aber irgendwie haben all diese Artikel gemeinsam, dass sie entweder eine Klage über die Ungerechtigkeit des Partnermarktes oder ein Sales Pitch sind.

  6. Dominik sagt:

    Toller Artikel, es spiegelt auch meine eigene Erfahrung wider, nicht nur für mich selbst sondern auch für meine männlichen Kollegen, sind Haare sehr ausschlaggebend, wie man die Dame als Ganzes betrachtet. Deshalb ganz klar, auch wenn es jede Frau für sich entscheiden kann … lasst die Haare lange! ;)

  7. Thomas sagt:

    Hallo Herr Dr. Konrad,

    ich finde lange Haare bei Frauen sehr attraktiv. Ich kann auch nicht verstehen aus welchem Grund sich manche Frauen die Haare kurz schneiden. Eine Frau, die dauerhaft ihre Haare kurz trägt würde ich vermutlich nur für eine Beziehung akzeptieren, wenn Sie ansonsten sehr hübsch ist. Insgesamt sind kurze Haare sehr unweiblich.

    Schöne Grüße

    Thomas

  8. Roland sagt:

    Im Prinzip das selbe mit kurzen Rocken oder sexy Outfits, die bevorzugt bei Dämmerung und im „Nightlife“ getragen werden. Natürlich sollte eine Frau anziehen können was sie möchte, ohne Angst vor sexuellen Übergriffen haben zu müssen. Natürlich sollte eine Frau (und auch ein Mann) um jede Uhrzeit alleine auf der Straße rumlaufen können ohne Angst haben zu müssen überfallen zu werden. Aber die Realität sieht nun mal anders aus und mit bestimmten Verhaltensweisen provoziert man bestimmte Ereignisse.

    Wenn ich mein Fahrrad unabgesperrt am Bahnhof stehen lasse, kann ich mich zwar auch darüber beschweren, dass sich hier ein Verbrechen ereignet hat und sowas „eigentlich“ nicht passieren dürfte. Aber der Schaden ist passiert und von der Moral kann man sich auch nichts kaufen.

    • Dr. Jochen Konrad sagt:

      Lieber Roland,

      achso, das mit den kurzen Haaren ist wie mit Röcken, usw.: Selber Schuld, wenn die Frau dann vergewaltigt wird? Eigentlich hätte ich ja vorschlagen müssen, lieber die Vollverschleierung aller Frauen in Deutschland einzuführen, statt zu erklären, wieso lange Haare gut aussehen und ein wichtiges Zeichen an die Umwelt sind.

      Das mit den Kommentaren im Internet verhält sich ja auch so: Selber Schuld, wenn man einen Artikel auf seiner Webseite zu einem Thema schreibt – da ist man absolut nicht vor Blödsinn geschützt. Ich könnte die Kommentare ausschalten, aber da gibt es leider keinen Austausch mit meinen Lesern mehr. Natürlich sollte jeder schreiben können was er will, daher erlaube ich das ja hier auch – ich bin dann zwar nicht vor Blödsinn wie dem Ihren geschützt, aber ich denke das lohnt sich trotzdem.

      Seufz,
      Dr. K

      • Roalnd sagt:

        Hallo Herr. K,

        Vielleicht sollten Sie sich mit Ihren Interpretationen etwas zügeln, denn ich bevorzuge es mir nicht Worte in den Mund legen zu lassen, die ich nicht gesagt habe. In meinem kurzen Beitrag ist nicht einmal von „selber Schuld“ die Rede. Als nächstes unterstellen Sie mir noch, dass es Frauen meiner Meinung nach „verdient“ haben vergewaltigt zu werden, oder? Es geht hier überhaupt nicht um Schuld, sondern einfach um Tatsachen, so unangenehm Sie auch sein mögen. Das zeigt sich nämlich ganz einfach in der Praxis: Sie würden Ihrer 18-jährigen Tochter ja auch sagen, Sie soll sich nach dem Club-Besuch ein Taxi holen und nicht alleine durch die Stadt nach Hause laufen, richtig? Punkt. Das ist alles. Nicht mehr und nicht weniger. Ich habe mich mehr als deutlich für eine freie Kleiderwahl und uneingeschränkte Ausgangszeiten für alle Personen (geschlechtsunhabhängig) und alle Gruppenstärken (hier also Einzelpersonen) ausgesprochen.

        Vielleicht hätte ich das Offensichtliche NOCH deutlicher herausstellen sollen, indem ich betonte, dass solche abscheulichen Verbrechen natürlich geahndet werden müssen und wir für den Erhalt/Ausbau einer selbstbestimmenden Lebensweise kämpfen sollten. Dem habe ich aber mit keiner Silbe in meinem Beitrag widersprochen. Für mich eine Selbstverständlichkeit, die es nicht zu erwähnen galt, aber scheinbar habe ich Sie da überschätzt.

        Ich gestehe Ihnen natürlich zu, dass Sie es in Ihrer Arbeit wohl relativ häufig mit frauenfeindlichen und -verachtenden Kommentaren zu tun haben und deshalb etwas übersensibel reagieren.

        In diesem Sinne, nichts für ungut.

        • Dr. Jochen Konrad sagt:

          Lieber Roalnd,

          da haben Sie mich wirklich in einem schwächeren Moment erwischt … da habe ich ein wenig zu stark reagiert. ;-)

          Trotzdem sehe ich keinen Unterschied zwischen Ihrem „Aber die Realität sieht nun mal anders aus und mit bestimmten Verhaltensweisen provoziert man bestimmte Ereignisse“ und „selber Schuld“. Natürlich haben Sie durchklingen lassen, dass es schön und richtig wäre, wenn das nicht der Fall wäre, aber trotzdem steht da versteckt und verschachtelt ein „selber Schuld, wenn xyz …“. Ebenso wie Sie das in dem neuen Kommentar machen: „Sie würden Ihrer 18-jährigen Tochter ja auch sagen, Sie soll sich nach dem Club-Besuch ein Taxi holen und nicht alleine durch die Stadt nach Hause laufen, richtig?“ Da ist nur ein weiterer Verschachtelungslevel eingebaut, indem Sie das ganze meine hypothetischen Tochter andichten, aber auch da steht versteckt „Ihre Tochter (bzw. Sie) wäre(n) selber Schuld, wenn…“

          Es geht also gar nicht darum, dass man meinen könnte, Sie hätten nichts gegen die angedeuteten Verbrechen – ich denke da ist es klar, dass dem nicht so ist. Vielmehr wundere ich mich wenn zu einem Artikel in dem es darum geht, ob kurze Haare bei Frauen weiblich und attraktiv wirken können, ein Kommentar a la „selber schuld, wenn man vergewaltigt wird“ erscheint. Ich hätte mich eher über einen Beitrag zum eigentlichen Thema gefreut.

          Beste Grüße,
          Dr. k

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